Wie äußere ich kritisches Feedback, ohne die Beziehung oder Motivation zu belasten?

Schwierige Gesprächssituationen (für Lehrende/Leitende)
Wie äußere ich kritisches Feedback, ohne die Beziehung oder Motivation zu belasten?

Kritik bzw. negatives Feedback zu geben ist oft eine unbeliebte Aufgabe, kann jedoch großen Wert für deine Studierenden/Mitarbeitenden und die Zusammenarbeit in der Gruppe haben. Nur wenn Probleme angesprochen werden, können sie gemeinsam gelöst werden.

Neben ausführlicheren Feedbackgesprächen, z.B. im Rahmen der Nachbesprechung von Prüfungsleistungen oder institutionalisierten Mitarbeitergesprächen, gibt es auch das anlassbezogene kritische Feedback im Alltag (anlässlich konkreter Situationen).

Kritisches Feedback kannst du dann besonders gut geben, wenn Kritik nicht der einzige Anlass ist, bei dem du Feedback gibst. Wenn du bei passenden Gelegenheiten konkretes und glaubwürdiges Lob aussprichst, also positives Feedback gibst, dann steigt auch die Bereitschaft, kritisches Feedback anzunehmen und umzusetzen.

Zunächst ein paar generelle Tipps für Kritikgespräche, die aus einem konkreten Anlass geführt werden und sich daher vom Feedbackgespräch unterscheiden:

  • Zeitnah führen, das heißt: Nicht aufschieben, aber auch nicht spontan zwischen Tür und Angel. Vereinbare einen Termin unter vier Augen.
  • Zeit einplanen, für Störungsfreiheit sorgen
  • Sich sachlich und emotional vorbereiten: Was genau will ich sagen, warum ist mir das wichtig (siehe auch unten: 3 B´s konstruktiver Kritik)? Führe dir dabei stets vor Augen, dass deine Intention ist, der Person zu helfen und eine Verbesserung für die Zukunft zu erreichen. Beschränke dich auf einen bis maximal drei Kritikpunkte, damit eine konstruktive Lösungsfindung möglich ist.
  • Klare Einleitung ohne peinliche Floskeln (statt "Schön, dass wir die Zeit haben, mal miteinander zu sprechen." besser: "M., ich möchte einen Punkt mit dir besprechen, mit dem ich nicht einverstanden bin und bei dem ich mir eine Verbesserung wünsche.")
  • Konkret sein, d.h. Bezug nehmen auf konkretes Verhalten, Beispiele nennen. (siehe auch unten)
  • Keine Sandwich-Taktik (Lob-Kritik-Lob). Die Kritik entwertet das Lob und das Lob schwächt die Kritik. Stattdessen auch Gelegenheiten für positives Feedback suchen, getrennt vom kritischen Feedback.
  • Emotionen zulassen
  • Es nicht bei einer einseitigen Ansprache belassen, sondern auch zuhören und nachfragen!

3 B´s konstruktiver Kritik

Mit den folgenden drei Schritten kannst du dich auf das Feedback vorbereiten und den Dreischritt zugleich als Leitfaden für das Kritikgespräch nutzen:

Beobachtung: Beschreiben ohne Bewerten

Beschreibe so objektiv wie möglich, was du beobachtet hast, die objektiven Daten und Fakten, den Sachverhalt, der Anlass für die Kritik ist. Lasse alle Bewertungen, Interpretationen, Vorwürfe o.ä. außen vor (z.B. unzuverlässig, fehlendes Verantwortungsgefühl, nicht voll engagiert, zu wenig selbst mitdenken, unkollegial, …).

Solche Bewertungen führen nur dazu, dass sich dein Gegenüber als Person angegriffen oder abgelehnt fühlt und entweder bestreitet, diskutiert, sich rechtfertigt oder sich persönlich verletzt fühlt und demotiviert aus dem Gespräch geht. Über objektive Beschreibungen ohne Bewertungen braucht man aber nicht zu diskutieren.

Bereite dich also darauf vor, konkrete Tatsachen und Beispiele zu nennen. Der Fokus auf beobachtbares Verhalten stellt außerdem sicher, dass du nur Punkte ansprichst, die die Person auch verändern kann. Frage ggf. nach, ob die Person weiß, was du meinst.

Bedürfnis: Erklären, warum mir der Punkt wichtig ist

Überlege dir, warum genau dich das kritisierte Verhalten stört, was genau deine eigenen Interessen sind, die dahinter stehen. Sage in Form einer Ich-Botschaft, was dir wichtig ist, WARUM du etwas Bestimmtes willst ("Ich möchte ..." statt "Du solltest ...").

Bitte: Eine konkrete, erfüllbare Bitte formulieren

Überlege dir vorher, was genau die Person tun könnte, um den Kritikanlass in Zukunft zu beheben. Das sollte etwas sein, was der Person möglich ist, ohne dass sie überfordert ist oder sich persönlich verbiegen muss. Du kannst die Person auch fragen, ob sie selbst einen Vorschlag hat, wie sie eine Verbesserung sicherstellen kann.

Zum Abschluss

Biete abschließend weitere Unterstützung an, z.B. "Lass es mich gerne wissen, wenn ich dir hierbei behilflich sein kann."

Achte nach dem Gespräch verstärkt auf die von dir angesprochenen Verhaltensweisen und lobe Fortschritte ausdrücklich. Ein Lob wirkt motivierend und lässt die betroffene Person wissen, dass du ihre Bemühungen wahrnimmst.