Was ist Hate Speech und was kann ich dagegen tun?

Diskriminierung und Benachteiligung
Was ist Hate Speech und was kann ich dagegen tun?
Ein fremdenfeindlicher Spruch, ein sexistischer Witz oder Stammtischparolen, die beim Feierabendbier ausgetauscht werden. Im Folgenden geht es um das Thema Hate Speech. Wo fängt sie an und welche Folgen hat sie für unser Miteinander? Und auch, wenn es manchmal gar nicht so leicht ist: Auf welche Weise kann man gut darauf reagieren?


Was ist Hate Speech?

Wir reden dann von Hate Speech, wenn die geäußerten Inhalte der Herabwürdigung und Verunglimpfung von Bevölkerungsgruppen dienen. Problematische Dynamiken haben wir überall dort, wo wir die Verbreitung von Glaubenssätzen wahrnehmen können, die die Gleichwertigkeit von Menschen in Frage stellen, und wo für komplexe gesellschaftliche Problemlagen allzu schnell Sündenböcke herangezogen werden. Bei Menschen, die zum Ziel von Hate Speech werden, können entsprechende Äußerungen Diskriminierungsgefühle, Unsicherheit, Unwohlsein und Angst auslösen.


Was kann ich dagegen tun?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in einer akuten Situation zu reagieren. Das ist jedoch nicht immer ganz leicht und kostet in vielen Fällen Überwindung. Hate Speech wird oftmals plötzlich und unerwartet laut – selten ist man auf sie vorbereitet. Manchmal trifft sie im geselligen Kreis sogar auf Zustimmung. Aber egal, ob du selbst betroffen oder nur Beobachter:in bist - wichtig ist, dass du nicht schweigst oder es ignorierst, wenn du Hate Speech begegnest.


Nicht immer ist ein konstruktives Gespräch mit Personen, die Hate Speech äußern, sinnvoll. Als Erstes solltest du dich daher immer fragen, ob ein konstruktiver Austausch zum Thema möglich ist. Das heißt, ist die Person gegenüber zu einem Austausch von Argumenten bereit oder geht es der Person nur darum, andere zu provozieren und zu dominieren? Letzteres ist etwa der Fall, wenn jede anders gelagerte Information, die nicht der eigenen Meinung entspricht, überhört oder direkt durch Hohn, Spott oder Aggression abgewehrt wird. In solchen Fällen sollte Hate Speech nicht noch eine breite Bühne geboten werden. Denn: Mit solchen Parolen soll oftmals nicht die Person gegenüber überzeugt, sondern die stillen Zuhörer und die Unentschlossenen beeindruckt werden. Wende dich dann besser an eine Lehrperson oder an Mitstudierende.


Wichtig ist ein diskretes und unaufgeregtes Vorgehen, da wir an dieser Stelle die Gründe und Motive des problematischen Verhaltens noch nicht überblicken können. Personen, die primär aus unbestimmten Gefühlen der Sorge und Orientierungslosigkeit oder aus mangelnder Sensibilität und Unwissen auf Hate Speech zurückgreifen, sind nämlich oftmals noch für den konstruktiven Austausch empfänglich.


Empfehlungen für den Umgang mit Hate Speech

Wenn wir auf Hate Speech reagieren, können wir sechs grundlegende Empfehlungen im Hinterkopf behalten:

  1. Wenn du ein Gespräch mit der Person aufnimmst, von der die Kommentare ausgehen, solltest du vor allem allgemeine Gesprächsregeln beachten. Das bedeutet: Lasse die Person erst einmal ausreden und höre gut zu, bevor du deine Punkte hervorbringst.
  2. Versuche auch, deine Fragen strategisch einzusetzen. Das heißt zum Beispiel, wenn dein Gegenüber Pauschalisierungen wie "die Ausländer", "die Muslime" oder "die Fremden" verwendet, löse das "die" auf, indem du fragst, wer genau damit gemeint ist und ob die Aussagen der eigenen Erfahrungswelt entstammen. Generell ist es immer besser Fragen zu stellen, als mit dem erhobenen Zeigefinger zu agieren. Versuche Belehrungen, Moralisierungen und Äußerungen der Empörung zu vermeiden: Wer belehrt schafft Abwehrreaktionen. Du bist dann schnell der "Gutmensch", Teil der "Gesinnungspolizei" oder der "Moralapostel".
  3. Versuche, mehr auf Ängste und Sorgen statt auf Parolen deines Gegenübers einzugehen, indem du Empathie für die andere Person zeigst. Dies kann ein Türöffner sein, um die Parolen zu durchbrechen und Gespräche über tieferliegende Ursachen der menschenfeindlichen Sprache zu führen. Spreche gerade zu Anfang eher Gefühle statt Inhalte an. Hier kann man die eigene Wahrnehmung durchaus in Worte fassen, wie zum Beispiel: „Ich habe den Eindruck, dass du immer wütender wirst. Warum ist das so?“ Ein solches Vorgehen eröffnet eine neue Perspektive auf den Gegenstand und schlägt eine Brücke zur Person gegenüber.
  4. Ohne zynisch zu werden, kannst du dem Gegenüber im nächsten Schritt aufzeigen, dass die Fakten für getätigte Aussagen fehlen. Es gibt zahlreiche offizielle Faktenchecks, die sich recherchieren lassen. Sprich ruhig Widersprüche in der Argumentation an, bleibe aber immer wertschätzend. Frage nach den Quellen der Informationen und weise ggf. auf die Intentionen extremistischer Akteure hin, die diese Inhalte verbreiten.
  5. Gleichzeitig solltest du auch Grenzen ziehen, wenn Ungleichwertigkeiten zwischen Menschen hergestellt werden. Laut Grundgesetz ist die Würde des Menschen unantastbar und alle Menschen sind gleich viel wert. Das muss auch der Minimalkonsens für ein Gespräch sein. Bei Menschenverachtung sowie extremistischen Aussagen, die Gewalt legitimieren und die Höherwertigkeit bestimmter Menschengruppen propagieren, darf es keine Akzeptanz geben. Gespräche sollten an dieser Stelle beendet werden. Betroffene sollten sich hier an Dozierende oder an die Ombudsperson der Hochschule wenden. 
  6. Achte als letztes darauf, dass du den Druck aus dem Kessel nimmst: Sollte der Ton zu aggressiv werden oder du merken, dass du in die Defensive gerätst, lege rechtzeitig Pausen ein. Auch mit ablenkenden Bemerkungen kannst du zur Entkrampfung beitragen und etwas den Druck aus dem Gespräch nehmen.

Wir alle können und müssen etwas gegen die Verfestigung von Vorurteilen, Ausgrenzungen und Schmähungen gegen Mitmenschen in der eigenen Organisation und der Gesellschaft tun. Es beginnt damit, Solidarität mit Betroffenen zu zeigen und sie nicht alleine zu lassen – lasse also Hate Speech in deiner Organisation nicht zu.